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Südafrika, Februar 2000
Wie jeden Winter kommt irgendwann der Entzug und die Kanaren sollten es einfach nicht sein also hab ich mich nach einer Alternative umgeschaut. Australien ist verdammt weit, doch den richtigen Sommer gibts eben nur auf der Südhalbkugel. Im Forum ein Mail über Südafrika aufgeschnappt, gleich Antwort bekommen - schon war der Kontakt zu Remo gemacht, der bereits ein paar mal in SA war und sich einfach klasse auskennt. Völlig fremd in einer Gruppe von 12 Leuten treffen wir uns alle in Istanbul um den Flieger nach Capetown zu bekommen. CAPETOWN Kap der guten Hoffnung Schon bei dem Namen packt einen doch das Fernweh!
Angekommen treffen wir Anthony Allen, Gleitschirmcrack und unser Guide für die nächsten Tage. Rein ins Hotel weg die Klamotten und ab gehts Richtung Lionshead, 300m Soaringhügel direkt am Meer. Links von mir über dem Tafelberg stehen die Bilderbuchlentis und wenn Anthony hier nicht dabei wäre und die Bedingungen als "perfect" bezeichnen würde, wär ich bestimmt nicht mal den Berg hoch gelaufen. Kaum am Startplatz gleich SA-Bedingungen: 20 km/h Wind und der Startplatz ein Geröllfeld mit Maschendrahtzaun überspannt kurz dahinter im Staub Schirm eingehängt, Leinen sortiert und losgewackelt. 3 Mann halten den Schirm bloß die Leinen nicht auf den Drahtzaun fallen lassen also vorgespannt kurzer Impuls und ab gehts Richtung Meer. Dann super laminare Bedingungen, leichtes Steigen 12m, steuern eigentlich nur mit dem Hintern von den paar Wingovern mal abgesehen. Landen beim Strand am LA MED, nette Kneipe mit kühlen Drinks. Was will man mehr du sitzt am Tisch und kannst es einfach noch gar nicht fassen was hier abgeht: 19:30 warme Meerebrise, die letzten kommen gerade reingelandet und alle wirklich alle bekommen das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht !!!
Der nächste Tag bringt Wind aus der verkehrten Richtung, auch das gibts hier im Südwesten von SA, wenn auch die volle Ausnahme im Prinzip kannst Du hier jeden Tag irgendwo fliegen. Aber doch noch den Flug in den Knochen entscheiden wir uns gleich für Sightseeing in Capetown und ziehen uns das 2-OceansAquarium rein, was bestimmt das Beste ist, das ich bisher gesehen habe. Die Vielzahl, Farben und Formen der Fische sind einfach irre. ( Indischer und pazifischer Ocean treffen hier aufeinander, d.h. CPT 14° C WT und 100 km weiter sind es schon 22°C WT ). Nebenan ist gleich die Waterfront riesen Einkaufsmall direkt am Hafen die Preise sind hier fast noch wie in Deutschland, wenn man von den Metropolen weggeht kostet aber alles nur noch die Hälfte.
Gleich am 3. Tag der absolute Knüller: Anthony checkt für uns einen Flug vom Tafelberg, Wind passt und schon stehen wir 1060 Meter über dem Meer, schauen auf den Strand. Der Startplatz schwitz Klippenstart aus felsigem, unebenen Gelände in ein kleines Seitental hier muss wirklich alles hundertprozentig passen. Doch erst mal draussen entschädigt der Flug dir jeden einzelnen Tropfen Angstschweiß. Den Tafelberg entlang zu soaren bis die Sonne untergeht, bei diesem unglaublichen Panorama die Stadt-Meer-Strand-Tafeberg einfach fantastisch. In der warmen Abendluft gehts zum Landeplatz am Strand. Ein kühles Bier und es kann einfach nicht besser sein.
Puuhh. Nach dieser Breitseite Meer zieht es uns ins Land wo wir am Dutoifs Cliff in der Nähe von Franschhoek starten, die Gegend mit ihren steil aufragenden Felswänden erinnert stark an die Dolomiten. Der Startplatz hat gerade mal eine Höhendifferenz von 150 m. Nach 2 Absaufern pack ich meinen Kram und wir starten dann zu viert weiter oben. Raus und direkt in den Bart, der mich gleich mal 700m hochknallt. Super Aussicht auf das ganze Relief 400m über dem Grat falle ich vor lauter sightseeing leeseitig aus dem Bart, was ich mit einem 70% Klapper quittiert bekomme. Kappe dreht 180° weg gegenbbremsen gegen die Leeseite des Bartes immer noch kräftige Abwinde die Kiste stallt und jetzt beginnt das Rodeo nach 100m hab ich den Booster endlich wieder über mir und mit ordentlich mehr Respekt gehts den Grat entlang Richtung Franschhoek. Nachdem ich doch einige Zeit verbraten habe ist der angestrebte Task nach Franschhoek aber nicht mehr drin. Schon bei der ersten Querung ist ein Lee, das mich auf die 7 km lange Ridge verbannt könnte schlimmer kommem .
Am 5. Tag checken wir in Capetown aus und ziehen wieder nach Franschhoek für einen Offday. Unter riesigen Kiefern und Palmen sitzen wir in einem Weingut auf englischem Rasen und geniessen unseren Picknickkorb. In der Gegend um Franschhoek wird nun seit mittlerweile 300 Jahren Wein angebaut und die haben das wirklich drauf. In Verbindung mit den optimalen Temperaturen und ausreichend Wasser können die hier einen trockenen, fruchtigen Wein ausbauen, der jedem Weinliebhaber die Tränen in die Augen treibt. Nach reichlich von dem köstlichen Nass gehen wir heute einmal früh ins Bett und ziehen am 6.Tag nach Porteville. Legendäres Fluggelände im südafrikanischen Hinterland, jetzt im Hochsommer ( 4.02.2000 ) mit 25° bis 40° der absolute Thermikofen und ideal für die anstehenden SA Open Nationals vom 6.12.02.
Schon am ersten Tag Bedingungen wie Sie nahezu konstant die nächsten 10 Tage sein werden. Starke Thermik und am Startplatz, der Dasklip weht ab 12:30 ein Seitenwind von 10 bis 30 km/h. Ein ausgeprägtes Talwindsystem, das sich mit schöner Regelmässigkeit zwischen 12:00 und 13:00 aufbaut, verursacht diesen Seitenwind. Dass der Startplatz dabei noch im Lee eines grösseren Felsens liegt schein hier niemanden zu stören. Also warten bis eine grössere Ablösung den Hang hochschießt und dann nichts wie raus, rechts rüber auf eine sonnenbeschienene Nordflanke! der Ridge und ab gehts. Diese Ridge ist eine Bergkette von 500 bis 700 m Höhe und ca. 60 km Länge in Nord-Süd Richtung. Es lässt sich mit Rückenwindunterstützung prima entlangbrettern die karge Landschaft, der tiefblaue Himmel einfach super.
Der Wettkampf an sich lässt dann doch einige Zweifel an den südafrikanischen Auswertern aufkommen und ein paar PilotInnen versuchen wirklich jeden Tag zu bescheissen. Bei aller Begeisterung für meinen ersten internationalen Wettkampf war das Gelände bei den Windverhältnissen doch teilweise sehr anspruchsvoll und die Locals als Tasksetter nicht zimperlich. Vereint mit hoher Risikobereitschaft bei den Piloten kam es denn auch zu 11 Abgängen an der Rettung - 1 Schwerverletzter und 1 Toter sprechen für sich.
Zur Ehrenrettung der Veranstalter muss man aber sagen dass der Wettbewerb ansonsten spitze organisiert war, die Rückholung aus den Off bei bis zu 40° C im Schatten klappte prima und die Helfer und Organisatoren waren immer super freundlich und hilfsbereit.
Was auch bei uns Schule machen könnte, ist die differenzierte Wertung in 5 verschiedenen Klassen. Alle fliegen den gleichen Task, alle Races war airstartet, mit 4 x 15 Minuten Startbojen gab es auch kein Gedränge in der Luft, in der Endauswertung gab es dann viel Ruhm und Ehre für:
Competition open Class
Serial 2-3er ab 500 Flüge
Sports 2-3er bis 500 Flüge
Intermediate 2er bis 200 Flüge
Novice 1-2er bis 80 Flüge
( In SA werden Gleitschirme hauptsächlich nach DHV-Einstufung verkauft ! )
Gutes Wertungssytem um auch Anfänger an das Streckenfliegen ranzuführen, die Cracks sind nicht mehr unter sich, sondern man kann Sie sich abends beim Bier schnappen und die Meisten lassen sich auch geduldig ausquetschen.
Nachdem wir die Ridge reichlich beflogen haben, ging uns die Bruthitze irgendwann doch auf die Nerven mal von der Hitze abgesehen ist Porterville echt am A.... der Welt Steaks, Bier und Fliegen sind zwar für ne Woche echt klasse aber wenn man Steaks, Bier, Fliegen und den Indischen Ozean haben kann?? Mietwagen war gleich organisiert und ab dafür nach Wilderness mehere Kilometer Düne von 30-90 m Höhe verspricht Soaring vom Feinsten. Der erste Tag im Regen doch bei 25°C Luft- und 23°C Wassertemperatur boogieboarden in den Wellen und endlich mal keine Sonne. Am zweiten Tag schwächelts ein wenig und der Spruch des Tages heisst "LAUFEN-LAUFEN" doch irgendwann gehts doch und wir soaren die Kante rauf und runter.
Für die letzte Woche gehts wieder ins Landesinnere. Die Wettervorhersage ist zwar nicht gerade toll aber der Flug nach Durban ( 1000 km östlich von CPT ) ist schon lange gebucht. In Durban mieten wir uns wieder ein paar VW-Busse und fahren hoch nach Bulwer abgefahrenes Hotel im englischen Stil, der Landeplatz auf 1500 m 500 m drüber der Startplatz, von dem schon auf über 4000m aufgedreht wurde.
Bulwer ist im Gegensatz zu Porterville volkommen grün, eine Mischung aus Schwarzwald und Tropen gemässigtes Klima 20° -30° C. Unser Hotel lässt eigentlich keine Wünsche offen und wir entspannen bei bestem Essen und coolen Drinks. Soaringflüge und leichte Thermik, die für 300 bis 400 m überhöhen gut ist, sind ein wunderbarer Ausgleich zu Staub und Hitze. Von 20 Tagen sind wir 17 geflogen!!!
Völlig entspannt und endlich mal "genug" geflogen, gehts nach JoBurg zum Flieger.
Natürlich gibts auch viel nachdenkliches über Südafrika zu erzählen. Wir haben davon einiges erlebt und gesehen das Land ist gespalten, die Gräben tief. Vordringlich wollt ich aber einfach ein paar Zeilen über einen genialen Fliegerurlaub loswerden bei dem ich jeder Hinsicht viel erlebt habe.
Always look on the bright side...
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